Ein berühmter Mann (Jean Paul) sagte einmal „Kinder und Uhren dürfen nicht beständig aufgezogen werden. Man muss sie auch gehen lassen.“ Lieber Jean Paul, wie Recht Sie haben. Aber wissen Sie eigentlich, wie schwierig das ist? Bevor ich Kinder hatte, hätte ich nie zu träumen gewagt, welche Herausforderungen sich in diesem Zusammenhang stellen werden. 

Ich halte mich zwar nicht für eine Helikoptermama, aber trotzdem möchte mein Mamaherz täglich hundertfach rufen „pass auf“, „stopp“, „gib acht“ (Danke lieber Beschützerinstikt!). Und mit der eigenen Geduld und Kraft ist es nicht viel besser. Ein „lass das“, hör auf“ oder „tu dies nicht, tu das nicht“ ist so schnell ausgesprochen und kann nicht wieder zurück genommen werden.

Und so erwische ich mich seit einer Weile regelmäßig beim auf die Zuge beißen oder bewusst weggucken, zum Beispiel wenn das Goldkind gefährlich nahe am Rande des Sofas hoppst, es mit anderen Kindern zofft, mit dem Wasserglas spielt (und es damit absehbar ist, bis das Wasser ausgekippt wird) oder es auch einfach nur in einem Affenzahn draußen rum rennt (und es nur eine Frage der Zeit ist, bis es stolpern wird).

Oh man. Erfahrungen machen lassen ist wirklich schwierig. Aber man muss sie wohl oder übel selbst machen um daran wachsen zu können. Und warum ist das so ein Problem? Ich glaube, es liegt vor allem daran, dass wir

-        es (vermeintlich) besser wissen und das Kind schützen wollen

-        kein Vertrauen in das Können bzw. auch in den Instinkt unserer Kinder haben

-        müde sind und es uns zusätzliche Arbeit machen könnte.

Ich übe mich also darin, möglichst bevor ich etwas ausspreche, zu überlegen, wie schlimm die Konsequenzen wären. Wenn das Glas verschüttet wird, muss ich putzen. Das ist ärgerlich, aber keinesfalls lebensbedrohlich. Meinen Ärger darüber darf ich trotzdem sagen und am besten wischen wir danach zusammen auf. Es ist also Erwägenssache und eine Frage des Vertrauens.

Wir müssen (wieder) lernen unseren Kindern mehr zu vertrauen. Ihnen etwas zuzutrauen. Und auch darauf zu vertrauen, dass eine Situation gut gehen wird. Das tut sie nämlich sehr, sehr oft. (Und das heißt nicht, dass man in kritischen Situationen nicht eingreifen soll. Wenns brenzlich ist muss man natürlich immer handeln! Ist klar, oder?).

Es ist nicht einfach Vertrauen zu haben. Aber ich bin überzeugt, es lässt sich üben. Und ich hoffe darauf, dass es jedes Mal, wenn es gut ausgegangen ist, beim nächsten Mal ein wenig einfacher sein wird, Vertrauen zu haben und Dinge zuzulassen. 

Wie geht ihr damit um? Seid ihr cool und lässig oder in permanenter Hab-Acht-Stellung? Habt ihr Tipps, die es leichter machen? Lasst von euch hören! Eure Lena