Wie oft fragt man sich nach dem richtigen Zeitpunkt für die Familiengründung und wägt Kind und Karriere gegenseitig ab. Mit Jenny habe ich darüber gesprochen, wie man Kind und Kegel unter einen Hut bekommt, und auch versucht heraus zu hören, wie weit oder nah Vorstellung und Wirklichkeit von einander entfernt sind. Lest jetzt Teil 1 des Interviews, über ihre Schwangerschaft und die Vorhaben rund um das "Projekt Familie".

 

Liebe Jenny, herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft! Du bist jetzt in der 30. Woche. Wie geht es dir?

Erstaunlich gut – nach diesen nervigen ersten drei Monaten hätte ich das kaum für möglich gehalten. Ich habe viel Energie, kann ganz normal arbeiten und mich nebenbei auf das Baby freuen. Zum Glück ist es bislang eine ganz unkomplizierte Schwangerschaft. Dafür bin ich echt dankbar.

 

Du hast dir lange Gedanken über den richtigen Moment gemacht, hast Karrierechancen und Wohnorte abgewogen. Ist der Moment nun perfekt?

Ich denke, so perfekt, wie er halt wird. Mein Mann und ich hatten lange beide Wohn- und Arbeitsbedingungen, die so gar nicht zu einem Leben mit Kleinkind passen wollten – wir hatten immer eine Fernbeziehung, teilweise über Auslandsgrenzen hinweg, unregelmäßige Arbeitszeiten, keine Familie am Ort etc.. Das hat mich oft traurig gemacht, weil ich eigentlich sehr gern ein Kind haben wollte. Jetzt haben wir die glückliche Situation, dass ich für drei Jahre an einem Ort forschen und arbeiten kann und mein Mann in der Nähe eine Stelle gefunden hat. Die Familien sind leider immer noch weit weg, aber ansonsten hatten wir noch nie bessere Bedingungen. Von daher ist es toll, dass es mit dem Baby so schnell geklappt hat!

 

Wie geht es dir mit dem Schwanger-Sein? Ist es so, wie du es dir vorgestellt hast?

Ich freue mich unglaublich auf den kleinen Menschen. Zu ihm hab ich jetzt schon eine ganz große Zuneigung und finde es einfach nur super, dass er zu uns kommt. Schwanger-Sein selbst finde ich, ehrlich gesagt, nur bedingt toll. Ich empfinde es doch in erster Linie als körperliche Einschränkung, fühle mich oft langsam, unförmig, wenig belastbar und genervt von den kleinen Zipperlein, die jetzt zum Alltag dazu gehören (Rückenschmerzen, Sodbrennen, Wadenkrämpfe, ständig aufs Klo müssen, dicke Füße, gefühlt riesiger Bauch – das werde ich alles nicht vermissen nach der Geburt). Und natürlich bin ich sehr neugierig bis ungeduldig, den kleinen Schatz endlich auf dem Arm zu haben.

Wie ich es mir vorgestellt habe? Zugegebenermaßen habe ich mir vorher hauptsächlich vorgestellt, ein Kind zu haben – dass dem eine Schwangerschaft vorausgeht, habe ich wenig reflektiert. Das war nie ein Teil, der mich besonders interessiert hat an der Sache. Vielleicht bin ich deshalb auch jetzt sehr darauf fokussiert, mich auf das Ergebnis zu freuen.

 

Was überrascht dich dabei am meisten?

Ich genieße es sehr, dass plötzlich gefühlt alle Leute in meinem Umfeld sehr nett zu mir sind. Es ist einfach schön, dass sich so viele erkundigen, wie es einem geht, wie man zurecht kommt etc. Das hatte ich vor der Schwangerschaft nie auf dem Schirm und hätte auch nie gedacht, dass es so gut tut. Ich hoffe, ich kann aus dieser Erfahrung mitnehmen, selbst zu anderen in meinem Umfeld bewusst nett und aufmerksam zu sein – schwanger oder nicht.

 

Spielt das Geschlecht deines Kindes eine Rolle?

Das mit dem Geschlecht war echt witzig: Wenn man mich vor der Schwangerschaft gefragt hätte, was ich lieber hätte, hätte ich wahrscheinlich ein kleines bisschen zu einem Mädchen tendiert. Als ich wusste, dass ich schwanger bin, habe ich das Baby aber von Anfang an vor dem inneren Auge als einen kleinen Jungen gesehen – und das hat sich dann auch als richtig herausgestellt. Und genau dieser kleine Junge fühlte sich auch von Anfang an wie der richtigste Familienzuwachs der Welt an.

 

Du musst mit deiner Habilitation jetzt bald ein Päuschen einlegen. Fällt dir das schwer? Wie stellst du dir die Vereinbarkeit von Familie und deinem Beruf vor?

Das wird sicher schwer. Ich habe immer gern gearbeitet und seit dem Studium eigentlich nie eine Phase gehabt, in der ich nicht gearbeitet habe. Keine Ahnung, wie Nicht-Arbeiten „geht“ - manchmal mache ich mir schon Sorgen, dass mir der Alltag zu eintönig wird. Andererseits bedeutet das Leben mit Baby ja nicht „keine Arbeit“, sondern einfach eine sehr andere als die, die ich kenne. Das ist spannend und ich freue mich darauf, das kennenzulernen.

Grundsätzlich habe ich das Glück, einen Job zu haben, in den ich Stück für Stück wieder einsteigen kann. Mein Plan sieht so aus, dass ich nach einigen Monaten mal ausprobiere, ein oder zwei Stunden am Tag wieder in die Habilitation einzusteigen, dann langsam auf halbe Tage hochzugehen und nach einem Jahr wieder regulär anzufangen. Ich möchte das aber unbedingt flexibel halten, je nachdem, wie gut der kleine Schatz mit Betreuung zurecht kommt. Er soll das Vorrecht behalten.

 

Wie stellst du dir die Zeit mit Baby vor? Hast du dir bestimmte Sachen vorgenommen?

Über der Geburt schwebt  noch ein großes Fragezeichen. Mein Grundgefühl ist, dass ich es erst einmal mit ganz viel Ruhe und wenig medizinischer Intervention versuchen möchte. Die Prozesse meines eigenen Körpers machen mir irgendwie weniger Angst als Eingriffe von außen. Festlegen will ich mich aber auf keinen Fall. Immerhin kann ich noch gar nicht beurteilen, wie eine Geburt ist und wie ich darauf reagiere.

Stillen würde ich gerne versuchen, ich finde die Vorstellung schön. Ich habe mir aber auch vorgenommen, mir keinen Stress zu machen, falls es nicht klappt. Auch alles weitere werde ich, denke ich, einfach Stück für Stück ausprobieren. Gefallen mir Babykurse? Finde ich Einweg- oder Stoffwindeln praktischer? Fühlt sich der Kleine im Tragetuch wohler oder im ergobaby oder im Kinderwagen? Ich bin gespannt!

Eine gemeinsame längere Reise als Familie wäre schön. Mein Mann und ich hatten eigentlich eine USA-Reise geplant, die jetzt aber von dem Geburtstermin abgelöst worden ist. Ich könnte mir vorstellen, sie zu dritt zu unternehmen, mit kindgerecht angepasstem Programm. Entscheiden möchte ich das aber erst, wenn ich den kleinen Schatz kennengelernt habe und den Alltag mit ihm etwas besser einschätzen kann.

Ich glaube, wenn ich mir etwas fest vorgenommen habe, dann eigentlich nur, dass ich mich nicht verrückt machen lasse von Meinungen von Anderen oder von Sachen, die angeblich „alle so machen“, Ich finde es viel besser, darauf zu vertrauen, womit der Kleine, mein Mann und ich uns wohlfühlen und was uns glücklich macht.

 

Wenn du an die Geburt denkst, was löst das in dir aus? Bereitest du dich besonders vor oder lässt du es einfach auf dich zukommen?

Also Angst habe ich nicht, aber schon so etwas wie großen Respekt. Ich war nie übermäßig gut darin oder begeistert davon, die Kontrolle abzugeben und frage mich daher schon, wie ich mit der Situation zurecht kommen werde. Diese Sorge ist aber auf keinen Fall präsenter als dass ich mich wahnsinnig darauf freue, dass der Kleine durch die Geburt zu uns kommt.

An Vorbereitung hab ich bis jetzt seit einigen Wochen Schwangerenyoga gemacht. Da machen wir Atemübungen für die Geburt und nebenbei tut es meinem Rücken jetzt schon gut. Was ich auch sehr entspannend finde, ist Sauna.

Wenn die Geburt noch näher rückt, werde ich auf jeden Fall zur Akupunktur gehen; unsere Klinik bietet das als Vorbereitung an. Auch einen Geburtsvorbereitungskurs mache ich da noch. Wahrscheinlich werde ich danach noch einen kleinen Geburtsplan schreiben und mit meinem Mann und der Klinik durchsprechen. Besonders viele spezielle Vorstellungen habe ich nicht, aber ein paar Sachen finde ich wichtig (zum Beispiel, dass mein Mann nach der Geburt bei dem Kleinen bleiben darf, auch wenn er sofort in medizinische Behandlung muss) oder möchte ich nicht so gerne (Dauer-CTG; das nervt mich schon die halbe Stunde beim Frauenarzt).

 

Wird dein Mann bei der Geburt dabei sein? Wie ist das für ihn? (frag ihn mal) und wie ist es für dich?

Ja, er kommt mit. Ich frag ihn mal, wie es für ihn ist. Er sagt: „Keine Ahnung… also irgendwie Respekt davor hab ich schon. Ich glaube, man kann das vorher kaum einschätzen, wie das ist. Im Moment kann ich schwer nachvollziehen, warum manche Väter, die ich kenne, das für sich selbst so wichtig finden. Aber ich lasse es mal auf mich zukommen; ich glaube, bei mir kommt erst im Nachhinein ein Verständnis davon, was es genau bedeutet.“

Ich selbst muss zugeben, dass ich schon ein bisschen nervös davor bin, dass vielleicht irgendetwas passiert, das mir vor ihm peinlich ist. Ich finde es daher ganz wichtig, dass wir beide ehrlich sagen, wenn wir uns mit der Situation nicht wohlfühlen. Das heißt, ich bin ihm nicht böse, wenn er zwischendurch raus gehen möchte und er mir nicht, wenn ich sage, dass ich lieber allein wäre.

 

Liebe Jenny, wir drücken nun alle Daumen für eine unkomplizierte Geburt und einen traumhaften Start zu Dritt. Schon jetzt freue ich mich von dir zu hören, wie es euch als kleine Familie geht.

Alles Liebe!