4 Jahre habe ich gebraucht, um mir selber klar zu machen, dass ich nicht ein Kind habe und dass ich nicht nur eine Schwangerschaft hatte, sondern zwei. Auch wenn die erste nur kurz dauerte. Ich habe mir das nie bewusst gemacht. Und ich habe nie getrauert. Ich habe es lange als eine verpasste Chance gesehen. Möglichst rational, um den Verlust zu verschmerzen. Heute weiß ich, dass ich traurig sein darf. Dass es für mich eben doch nicht nur ein Zellhaufen war, sondern mein erstes Kind. Ich glaube, es ist ein Mädchen.

Meine Ärztin damals sah alles ganz rational. Es sei noch gar kein Kind gewesen, sagte sie. Kein Embryo. Einfach nur ein Zellhaufen. Für mich stimmte das so aber nicht. Das kann ich heute zugeben. Da sind wir bei der Frage: Wo beginnt Leben. Für mich beginnt es schon bei der Verschmelzung von Ei und Spermium. Oder allerspätestens dann, wenn sich die befruchtete Eizelle ihren Platz sucht und sich einnistet. Doof nur, wenn das eben nicht in der Gebärmutter passiert. Aber an sich wäre der Zellhaufen ja lebensfähig gewesen, nur eben nicht, wenn er im Eileiter hängen bleibt.

Wir hatten lange gewartet schwanger werden zu dürfen. Doch dann kam alles ganz anders als vorgestellt. Ich saß wegen dubiosen Langzeitblutungen beim Arzt und erfuhr es dort. Allein. „Sie sind schwanger. Herzlichen Glückwunsch! Leider gibt es Komplikationen. Sie haben eine Eileiterschwangerschaft. Bitte begeben Sie sich auf direktem Weg in die Klinik.“

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht viel über Eileiterschwangerschaften. Nur, dass man diese operieren muss und das befruchtete Ei eben nicht verpflanzt werden kann. Wie gefährlich das Ganze ist, wusste ich zum Glück nicht, sonst hätte ich mir gleich viel mehr Sorgen gemacht.

Ich entschied mich dafür, meinem Körper die Chance zu geben, das Ei selbst wieder loszuwerden und bekam hierfür starke Medikamente. Leider ohne Erfolg. Nach ein paar Tagen bin ich als Notfall im OP gelandet. Der Eileiter war gerissen. Es bestand die Gefahr zu verbluten.

Mein erstes Gefühl: Totale Frustration. Dann kam Panik hinzu, als es plötzlich in den OP ging. Ich war noch nie gut im Loslassen. Im Verabschieden. 
Die Tage danach war ich hauptsächlich müde und versuchte mich irgendwie positiv zu beeinflussen, indem ich mir sagte, dass ich zumindest schwanger werden könnte. Und dass es bestimmt beim nächsten Mal klappt.

Das hat es dann tatsächlich auch. Ein Jahr später. Die anfängliche Aufregung war immens. Aber letztlich war alles in Ordnung und ich hatte eine Bilderbuch Schwangerschaft und eine gute Entbindung (trotz DR III). Unser Goldkind war da.