In den letzten Wochen sind mir immer wieder Texte und Kommentare begegnet rund um das Thema „Schwangerschaft/krank sein“. Manche davon waren ganz schön radikal, andere gingen mit diesem Thema ironisch um. Was mich dabei zum grübeln bringt, ist die These, das eine Schwangerschaft schlimmer ist, als krank sein bzw. eine Schwangerschaft mit einer Krankheit gleichgesetzt wird. Da denke ich: Halt! Stop! Das möchte ich so nicht unterschreiben.

Ich möchte da zumindest einen Konjunktiv einführen. Schwanger sein, KANN so schlimm sein, wie eine Krankheit. Sie muss es aber nicht!

Bei all meinen Überlegungen zu diesem Thema bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es eine Frage der inneren Haltung ist. Wir müssen unserem Umfeld nicht signalisieren, dass schwanger sein eine Krankheit ist. Wir müssen zeigen, dass Schwangerschaften viele Facetten hat und es sicherlich oftmals nicht einfach ist.

Während einer „normalen“ Schwangerschaft sind viele Schwangere (ich auch) von zahlreichen körperlichen Beschwerden beeinträchtigt: Übelkeit, Erbrechen, Rückenschmerzen, Sodbrennen, Schlaflosigkeit, Gereiztheit ... um nur einige ganz klassische Dinge zu nennen. Keine Frage, das nervt unglaublich, es ist anstrengend und belastend. Aber trotzdem denke ich, man ist nicht krank. All diese Dinge haben mit dem wundervollen Prozess des Schwangerseins zu tun. Sie signalisieren, dass der Körper Höchstleistungen vollbringt. Das kann man würdigen und stolz sein, dass man dazu in der Lage ist.
Versteht mich nicht falsch, auch ich finde all diese Dinge enorm belastend. Gleichzeitig erinnern sie mich aber an das „Endprodukt“ bzw. den Grund dafür und der ist phänomenal toll. Da wächst ein neuer Mensch heran! Dafür nehme ich diese Dinge in Kauf, zumal ich weiß, dass nach 40 - 42 Wochen spätestens damit Schluss ist. Ich bin schwanger mit allem drum und dran. Aber ich habe kein Krebsleiden oder sonst eine bleibende Krankheit. (Und ich spreche auch nicht von den komplizierten Schwangerschaften mit Blutungen, lange liegen müssen, Krankenhausaufenthalten etc. Das ist wieder eine ganz andere Nummer.)

Geht es darum, dass man während einer Schwangerschaft zusätzlich einen Infekt durchmacht, muss ich sagen: ja das ist hart. Ein grippaler Infekt ohne Medikamente ist kein Zuckerschlecken. Mit weiteren Kindern und einem Job eine wahre Herausforderung. Wenn es aber vorüber ist, bin ich stolz auf meinen Körper, der auch diese Höchstleistung geschafft hat.

Und noch ein Gedanke: es bringt mich nicht weiter, in dem Gedanken zu versinken, wie schlecht ich es habe. Klar darf ich darüber stöhnen, mich auch mal beschweren, dass ich die Situation belastend finde. Es sollte aber niemals die Vorfreude auf den neuen Zwerg trüben. Der kann nix dafür. Also kurz mal Dampf ablassen, Trost suchen und dann versuchen wieder positiv nach vorne zu sehen.

Eure Lena