Im Sommer habe ich mit Jenny über ihre Schwangerschaft und ihre Vorstellungen zur Geburt und Elternzeit gesprochen. Jetzt habe ich sie wieder getroffen und mal nachgefragt, wie es denn wirklich war. Lest hier ihren Geburtsbericht und ihre Sicht auf die ersten Wochen als Familie.

Liebe Jenny, inzwischen seid ihr eine Familie. Wer ist nun der/die Dritte im Bunde?

Unser kleiner Goldschatz heißt Simon Emanuel. Er ist jetzt seit vierzehn Wochen bei uns und wir freuen uns unglaublich.

 

Magst du mir von der Geburt erzählen? Wie ist es euch ergangen?

Die Geburt hat erstmal eine Weile auf sich warten lassen. 9 Tage nach Termin fing abends ein leichtes Tröpfeln an, aber mehr passierte nicht. Ich habe die Nacht ganz normal geschlafen, bin dann morgens (selbst) in die Klinik gefahren, um das anschauen zu lassen – hab mich definitiv nicht gefühlt wie unter einer Geburt. Dort wurde ich dann aber gleich da behalten, da ich wohl einen „hohen Blasensprung“ hatte. Ich habe dann meinen Mann angerufen, dass er mit dem Klinikkoffer kommen soll. Wehen hatte ich immer noch nicht; erst als die Fruchtblase manuell geöffnet wurde, fingen sie an. Die Eröffnungsphase ging super schnell und war auch gar nicht schlimm; es schien alles ganz glatt zu laufen. Dann ging es allerdings leider stundenlang kaum weiter, ich hatte zwar heftige Wehen und der Kopf war zu ertasten, aber bewegte sich nicht weiter. Es wurde medikamentös und mechanisch einiges versucht, auch verschiedene Haltungen, aber Simon steckte leider komplett fest. Nach etwa neun Stunden wurde uns zu einem Kaiserschnitt geraten, dem ich dann etwas schweren Herzens zugestimmt habe, um Simons Gesundheit nicht zu gefährden. Der Kaiserschnitt ging recht schnell; nach kurzer Zeit wurde uns unser Schatz über das Tuch hinweg gezeigt und guckte schon süß-frech in die Welt. Mein Mann durfte ihn in Empfang nehmen, ich musste noch genäht werden. Das hat gefühlt ewig gedauert und war eher unangenehm. Um so schöner war es dann, als ich endlich in den Beobachtungsraum gerollt wurde, wo Andi und Simon auf mich gewartet haben. Ich habe meine beiden Männer ganz fest umarmt. Nachdem die Betäubung raus war, durfte ich Simon auch stillen. Ich glaube, erst dann habe ich wirklich realisiert, dass er jetzt da ist.

Wenn ich im Nachhinein an die Geburt denke, bin ich soweit im Reinen. Am Anfang war ich etwas traurig, weil ich am Ende doch durch ziemlich alle Register der Geburtsmedizin gehen musste. Aber letzten Endes bin ich einfach dankbar, dass Simon gesund und sicher zu uns gekommen ist und dass die ganze Geburt nicht so schlimm war wie ich es mir vorher vorgestellt hatte. Blöd waren nur die ersten paar Tage nach der Geburt, in denen ich mich kaum bewegen konnte und mich doch so gerne um Simon kümmern wollte. Aber da war mein Mann zum Glück ganz klasse; wir hatten ein Familienzimmer, sodass er mich gut unterstützen konnte. Nach vier Tagen konnten wir nach Hause – da ging es mir schon sehr viel besser.

 

Wie geht es euch  jetzt als Familie? Habt ihr euch schon eingelebt? Wie sieht euer Alltag aus?

Im Moment habe ich Elternzeit; ich werde wieder anfangen, wenn Simon ein Jahr ist. Mein Mann musste leider eine Woche nach der Geburt schon wieder voll arbeiten, aber zum Glück ist Simon ein eher unkompliziertes Baby, mit dem wir uns schnell eingelebt haben. Meist läuft der Tag so, dass wir gemeinsam um 6 Uhr aufstehen und frühstücken, während Simon noch in seinem Bettchen spielt. Danach kümmern wir uns abwechselnd um ihn (Wickeln, Anziehen etc.), damit wir beide zum Duschen kommen. Wenn mein Mann dann zur Arbeit gefahren ist, unternehmen Simon und ich meistens vormittags etwas – an zwei Tagen haben wir Kurse (PeKiP und Rückbildung mit Babymassage), ansonsten gehen wir spazieren, in die Stadt oder besuchen jemanden. Mittags schläft er meist für zwei bis drei Stunden, wo ich dann Mittag esse und den Haushalt mache. Nachmittags spielen wir oft hier oder haben Besuch, und gegen 19 Uhr bringe ich Simon ins Bett. Etwa um die Zeit kommt auch mein Mann und wir machen das an Haushalt, was noch liegen geblieben ist – oder ich setze mich noch für ein oder zwei Stunden an meine Forschungsarbeit. Meist braucht Simon nachts dreimal Milch, aber da er im Beistellbett schläft, ist das gut machbar. Die ersten Wochen hat er abends und nachts noch viel geweint und mit Bauchkrämpfen und Blähungen gekämpft, aber im Moment (klopf auf Holz) weint er nachts kaum noch und schläft recht schnell wieder ein.

Mein Mann wird nächstes Jahr zwei Monate Elternzeit nehmen – einen Monat, damit wir die Amerikareise machen können und einen Monat, wenn ich wieder anfange zu arbeiten.

 

Wie geht es dir in der Elternzeit? Was fehlt dir, was erfüllt dich und was ist ganz anders als gedacht?

Die allermeiste Zeit macht es mir großen Spaß, mich um Simon zu kümmern. Es ist so schön zu sehen, wie er sich entwickelt, wie er lernt und Dinge entdeckt. Und es wärmt einfach das Herz, wenn er aufwacht, ich komme an sein Bettchen und werde von so einem freudigen Lächeln begrüßt. Ich bin auch unheimlich gern mit ihm zusammen, das heißt, ich habe gar nicht so oft das Bedürfnis nach „kinderfreier Zeit“. Was mir fehlt? Schlaf, natürlich – wobei Simon für sein Alter völlig okay schläft, muss man fairerweise sagen. In Ruhe ein warmes Essen essen oder einen Kaffee trinken. Und Sport und Sauna – mein Körper meldet deutlich zurück, dass er das nötig hätte. Gespräche über Dinge, die nichts mit Babys zu tun haben, tun auch oft gut.

 

Welche 3 Dinge aller Dinge, die du angeschafft hast für das Kind, sind unerlässlich und welche 3 haben sich als völlig unnötig herausgestellt?

Nötig: Stillkissen, Ergobaby (am Anfang wollte Simon ganz viel getragen werden), viiiele Stoffwindeln und Bodys (Stichwort Spucken)

Unnötig: Handschuhe (Verweildauer am Kind: ca. 10-20 Sekunden), Getränkehalter für den Kinderwagen (man bleibt hauptsächlich an Autos und Supermarktregalen hängen), Stillmarker (man fühlt das, glaubt mir)

 

Danke dir liebe Jenny für deinen Bericht. Ich bin gespannt auf eure Reise und auch auf deine Rückkehr in den Beruf und hoffe, du wirst auch davon erzählen.