Mira lebt in einem Wagen und ist Clownin. Vor einiger Zeit habe ich mit ihr über ihre Schwangerschaft gesprochen. Über ihre Vorstellungen, der Realität und ihre Wünsche zur Geburt.

Liebe Mira, herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft! Wie wundervoll, dass ihr ein Kind erwartet! Wie geht es dir denn mit dem Schwanger-Sein? Ist es so, wie du es dir vorgestellt hast?

Unser Kinderwunsch war schon lange da. Im Juni entschieden wir sehr spontan aus einer glücklichen Situation heraus es wirklich zu versuchen und ja es klappte sofort. Ich hatte vor meiner Schwangerschaft immer viel mit Kindern zu tun, die schon aus dem Babyalter draußen waren und vor schwangeren Frauen hatte ich immer große Ehrfurcht. Und so hatte ich nicht wirklich eine Vorstellung, was mich erwarten würde und sprang und springe bis zum heutigen Tag mit Schwangerschaft und Kind oft ins kalte Wasser… Ich liebe kaltes Wasser. Da fühle ich mich so lebendig.

Was überrascht dich am meisten?

Zu was mein Körper alles imstande ist, wie ich physisch und mental, äußerlich und innerlich, über Grenzen hinaus gewachsen bin und wachse.

Ihr lebt in einem Wagen, oder eigentlich in zweien. Wie können wir uns das vorstellen?

Ja, wir leben in zwei großen Holzwägen auf ca. 40 Quadratmetern als Teil einer Wagenburg (für unsere Arbeit haben wir zusätzlich ein Atelier). Hier leben 28 Menschen, davon fünf Kinder. Mit manchen hat man mehr zu tun, mit manchen weniger. Manchmal ist unsere Wagenburg wie ein kleines Dorf mit Klatsch, Tratsch und Diskussionen, aber auch mit dem Rückhalt und dem Leben einer Gemeinschaft. Unsere Wägen stehen fest am Rand der Stadt im Grünen. Klar, wenn wir mal umziehen, freuen wir uns über die Räder unter unserem Zuhause. Natürlich haben wir weniger Platz, aber Platz ist auch relativ. In so einem Wagen fühlt man sich im Winter unendlich geborgen und es ist gemütlich. Im Sommer lebt man die meiste Zeit draußen.
Ein paar Details noch: Heizen tun wir mit Holz, ans Stromnetz sind wir nicht angeschlossen, doch haben wir unsere eigene kleine Solaranlage, Wasser kommt nicht aus der Leitung, sondern muss an einer Wasserstelle geholt werden, gewaschen wird im Waschsalon, geduscht im gemeinschaftlichen Badewagen… Ich mag es im Winter morgens aufzustehen und als erstes Holz draußen in der Kälte zu hacken, alles Mögliche zu teilen finde ich ökologisch und menschlich sinnvoll, genauso wie die Erfahrung (täglich) zu machen, dass Trinkwasser nicht unendlich fließt und somit auch eine endliche Ressource ist.

Wie richtet ihr euch ein hinsichtlich eures Kindes? Ein Kinderzimmer gibt es vermutlich nicht?

Unser Garten ist riesig, unser Zuhause geborgen. Für unser Kind haben wir eine Wiege, in Form eines Korbes der an einer Feder von der Decke hängt und einen klappbaren Wickeltisch in unseren Wagen integriert. Beides ist geschmückt von Mobiles. Auf Dauer möchten wir unseren zweiten Wagen durch einen anderen ersetzen und in diesen dann zwei Zimmer bauen, eines für uns, eines für unser Kind. Schlafen darf es so lang es will bei uns.



Du arbeitest als Clownin. Ich glaube, darunter können sich viele Menschen gar nichts vorstellen. Mit Zirkus hat das ja erstmal so gar nichts zu tun, oder? Wie sieht denn dein Arbeitsalltag bislang aus?

Mein Partner und ich, wir sind ein Clown-Duo und wir haben gemeinsam eine Show, machen aber auch manchmal Walk-Acts oder spielen eines unserer kürzeren Solis. Das bildet die eine Hälfte unserer Arbeit. In der anderen Hälfte geben wir unser Wissen und Können weiter. Wir machen sehr viele Zirkus-/Clownkurse an Schulen, geben wöchentlich ein ofenes Clown-Schauspiel-Training in unserem Atelier und werden von Zeit zu Zeit woanders eingeladen einen Workshop zu geben. Wer sich mehr dafür interessiert, hier unsere Homepage: www.lapadou.de.

Das bedeutet auch, dass du einen Job hast, der viel Körperarbeit verlangt. Geht das gut in der Schwangerschaft?

Ja, es geht. Allerdings habe ich nach der Hälfte der Schwangerschaft aufgehört aufzutreten, bis dahin mussten wir auch schon die ein oder andere akrobatische Übung in unserer Show ersetzen. Bis zum Mutterschutz gebe ich noch Kurse.

Wie stellt ihr es euch in Zukunft vor? Plant ihr eine Elternzeit? Wie teilt ihr euch auf?

Der erste Auftritt nach der Geburt ist schon in Planung. Unser Kind ist dann 3,5 Monate alt. Und kurz darauf will ich auch wieder ein oder zwei feste Kurse an Schulen geben. Soweit der Plan… Mal sehen! Mein Partner wird im Winter für drei Monate in Elternzeit gehen. Das Schöne ist, dass wir uns gegenseitig immer gut vertreten und ersetzen können und so wird es mehr und mehr möglich sein, dass wir fifty-fifty machen, zuhause und bei der Arbeit.

Wie stellt ihr euch die Vereinbarkeit von Familien und deinem Beruf vor? Geht das?

Wir kennen Familien, die ähnlich leben und arbeiten, wie wir und so wissen wir: Ja, es ist vereinbar und ja es kann wunderschön und furchtbar anstrengend sein! Unser Kind wird viel mit dabei sein. Das ist das Schöne an unserem Beruf, dass es durchaus spannend für Kinder ist, was wir so machen: Straßenkunstfestivals, Zirkusferienspiele, Jonglage… Alles bunt und fröhlich!

Wie stellst du dir die Zeit mit Baby vor? Hast du dir bestimmte Sachen vorgenommen?

Ja, ich wünsche mir so einiges für unsere Geburt. Um all das zu realisieren, habe ich mir ein kleines Krankenhaus rausgesucht, welches genau diese Ideen unterstützt und meine Wünsche für meinen Partner und die bei der Geburt anwesende Hebamme schriftlich formuliert. Ich wünsche mir im Wasser zu gebären, nur im Notfall Schmerzmittel zu nehmen, keine Braunüle am Arm gelegt zu bekommen, mich unter der Geburt nicht hinzulegen, in Bewegung zu bleiben, so zeitig wie möglich wieder nach Hause zu fahren….
Wir haben uns auch vorgenommen unser Kind ganz viel zu tragen, ihm soviel Nähe und Vertrauen zu geben, wie uns nur irgendwie möglich ist, damit es gut Wurzeln schlagen kann auf dieser Welt und im Leben.
Stillen kann ich mir nicht so richtig vorstellen. Ich weiß: Ich werde stillen! Das muss irgendwie funktionieren.
Wickeln wollen wir mit Stoffwindeln und unser Kind viel abhalten. Dafür haben wir schon um einen Windeldienst bemüht, der jede Woche saubere Windeln bringt und die dreckigen wäscht.

Wenn du an die Geburt denkst, was löst das in dir aus? Bereitest du dich besonders vor oder lässt du es einfach auf dich zukommen?

Am Anfang der Schwangerschaft konnte und wollte ich nicht über die Geburt nachdenken. Irgendwie war ich da wie blockiert. Umso näher das Ereignis rückte, umso mehr konnte ich mich für dieses nun unausweichliche Thema öffnen. Mir war klar: Ich muss, wie immer in meinem Leben, in Bewegung bleiben. Schwimmen, Radfahren, Spazieren, Yoga, Dehnen… Und so habe ich es auch bis jetzt gehalten. Einen Brief an Nils und die Hebamme im Kreißsaal  bzw. einen Geburtsplan habe ich auch verfasst. Außerdem habe ich mir vorher das Geburtsbecken und die Räumlichkeiten angesehen. Das waren wohl die wichtigsten Vorbereitungen. (Dammmassage, Himbeerblätter, gesunde Ernährung&Co. habe ich auch versucht…)

Wird dein Partner bei der Geburt dabei sein? Wie ist das für ihn? (frag ihn mal) und wie ist es für dich?

Mein Partner soll und will dabei sein. Vor zwei Wochen musste ich mich damit auseinandersetzten, wie es wäre, wenn er nicht mitkommen könnte, da er hohes Fieber hatte. In der Tat, würde ich alleine gehen, da mir wirklich niemand einfällt, mit dem ich das sonst hätte machen wollen.

 

Danke liebe Mira für den Einblick in deine Schwangerschaft. Ich drücke euch für die Geburt alle Daumen und freue mich, wenn du uns dann zu gebener Zeit erzählst, wie es euch geht.