*Triggerwarnung* Dieser Text geht um den Verlust von Eltern.
 
Gestern Abend, als ich gerade die Kinder ins Bett gebracht hatte, kam die Nachricht über’s soziale Netzwerk:
„Vielleicht der falsche Weg, dich so zu kontaktieren, aber S. ist gestorben!“ 

Stille.
Nochmal lesen.
What?
Das kann gar nicht sein.

Ein Unfall? Eine Krankheit?
Ich frage nach, was passiert ist.

Und meine schlimmste Befürchtung tritt ein: Krebs. Wieder einmal Krebs.
Schon wieder hat diese verfluchte Krankheit einen Menschen verschluckt. Mitgenommen. Aus dem Leben gerissen. Und ganz viele zurückgelassen. Eltern, Freunde und dieses Mal auch ein Kind. Ein KIND. (Ok, sie würde sicher darauf bestehen, schon ein Teenie zu sein. Aber mal ehrlich, was macht das bitte für einen Unterschied?) Ein Kind, das nun ohne Mutter klar kommen muss. Irgendwie.
Was bitte ist das für ein Päckchen? Wie soll man denn mit 13 damit klar kommen? Ich konnte das kaum und war doppelt so alt.

Ich merke, wie sich der Fokus zu verschieben beginnt. Plötzlich alles um mich herum ganz klein wird. Der Streit gerade eben. Egal.
Überlegungen zur Adventszeit. Egal.
Nächste Bauplanungen. Egal.
Wochenplanung. Einkaufsplanung. Küche aufräumen. Alles egal.

Ich muss mich setzen. Verständnislosigkeit macht sich breit. Und Ratlosigkeit.

Was hilft?
Da sein hilft. Zusammenhalten hilft. Reden hilft. Und manchmal auch schweigen. In den Arm genommen werden. Oder in den Arm nehmen hilft. Auch Kakao hilft. Und ein Feuer im Ofen. Vor allem aber hilft, sich Zeit zu schenken.

Was bleibt?
Schmerz. Unfassbar viel Schmerz. Und Perspektivlosigkeit. Sinnlosigkeit (falls es dieses Wort gibt). Das Gefühl der Ohnmacht, der Ratlosigkeit, was man denn tun könnte. Und eines der Verbundenheit. Mit all denen, die jemanden verloren haben. Die traurig und verzweifelt sind.

Auch das Gefühl der Angst klopft an meine innere Tür. Angst die nächste zu sein. Angst zwei Kinder allein zu lassen. Und andersherum die Angst eben diese einmal verlieren zu können.

Und wieder ist da der Schmerz des Verlustes.
Er wird nicht weniger. Er wird nur seltener. Irgendwann werden es Narben sein. Irgendwann ist es möglich, sich ohne zu heulen zu erinnern. Irgendwann.
Was dann bleibt ist die Erinnerung. Bitter. Süß. Und die Dankbarkeit, jenen Menschen gekannt zu haben. Ein Stück Weg gemeinsam gegangen zu sein. Gemeinsame Zeit, die einen geprägt hat.