In der Elternzeit ist die Gefahr groß, dass man sich selbst ein bisschen vergisst. Man ist wirklich gut ausgelastet mit der Versorgung des Babys oder/und der Familie. Zumindest mir geht es so. Ich habe immer alle Hände voll zu tun und frage mich dann, wo die Zeit geblieben ist. Tja.
Nach der letzten Elternzeit war ich dann entsprechend hungrig nach neuem Input für den Kopf. Das kam in dem einen Jahr eindeutig zu kurz. Genauso wie klare Auszeiten nur für mich, in denen ich auftanken konnte.
Letztes Wochenende war ich in Berlin und erlebte dort die perfekte Verbindung von beidem: eine wunderbar versorgte Familie und die Möglichkeit für neues Futter für meinen Kopf. Gleichzeitig habe ich mich so sehr verstanden gefühlt und gesehen mit meinen Bedürfnissen als Mama.

Vereinbarkeit in Perfektion. Wir waren auf der Blogfamilia und zwar alle zusammen. Oh, wie tat (mir) das gut!

Das Goldkind wurde in einer extra eingerichteten Kinderbetreuung bestens versorgt, der Superdaddy besuchte zusammen mit mir die verschiedenen Vorträge oder Workshops und der Babyjunge ist sowieso non-stop an meiner Seite. Die Mittagspause verbrachten wir dann wieder alle zusammen (damit kam das Netzwerken zwar etwas zu kurz, aber man kann halt nicht alles haben und ich habe die Veranstaltung trotzdem sehr genossen!).

 

Aber von vorne:

Die Blogfamilia ist ein Bloggertreffen rund um das Thema Familie. Man stellt es sich am besten wie ein großes Familientreffen vor. Die meisten kennen sich, es herrscht eine tolle, entspannte Atmosphäre, es gibt Vorträge und Workshops rund um das Thema Familie/Bloggen und verschiedene Stände mit Sponsoren. Obendrein eine mega Infrastruktur (Wickeltisch-Area, Kinderwagenparkplatz, Kinderbetreuung, Kinderessen, tolle Verpflegung,...).

Den Auftakt der Blogfamilia 2019 machte kein geringerer als Thriller-Autor Sebastian Fitzek! Ein sehr charmanter und unterhaltsamer Typ. Unter dem Motto: Seid Fische, die auf Bäume klettern! (sein neues Buch) animierte er dazu, Hürden zu meistern und sich nicht rein reden zu lassen. Es gibt immer jemanden der stänkert. Davon darf man sich aber nicht beeindrucken lassen.

Anschließend besuchte ich den Workshop von Heiko Stammel zu SEO. Da ich auf diesem Gebiet ziemlich blank bin, war diese Stunde so etwas zwischen „Ich versteh nur Bahnhof“ und super erhellend. Was ich aber mitgenommen habe, ist,

- dass das Keyword in der Überschrift an die erste Position sollte,
- Interne Verlinkungen wichtig sind und verhindern, dass alte Artikel von Google als unwichtig eingestuft würden,
- es wichtig ist, kontinuierlich Content zu produzieren,
- und Bouncing verhindert werden sollte zu Gunsten eines guten Listenplatzes.

Wer mich aber noch mehr beeindruckt hat war Nicole Staudinger, auch bekannt als die Schlagfertigkeitsqueen. Ihre persönliche Geschichte hat mich sehr berührt und ich ziehe meinen Hut vor ihr und ihrer Eigenmotivation. Sie sagt, Selbstmitleid sei eine Notwendigkeit für Eigenmotivation. Man muss sein Schicksal annehmen und unterscheiden von dem, was man selbst in der Hand hat. Man darf Jammern, für eine begrenzte Zeit. Aber dann ist es an der Zeit, das Zepter wieder in die Hand zu nehmen.

Ihre Message:
- Seid sanft zu euch und nicht so streng!
- Das Glück liegt nicht in der Perfektion!
- Frage dich also, was wirklich wichtig ist.
Und wenn alle Stricke reißen hilft immer noch singen. Denn Singen und sich Sorgen machen zugleich, funktioniert nicht. Und dann hat sie mit uns gesungen: Für dich solls rote Rosen regnen…

Juramama Nina Straßner beantwortete mir in einem weiteren Workshop auch noch die letzten Fragen zum Thema Bildrechte.
Mein Fazit daraus: Am besten macht man’s einfach selbst (also das Bild). Und wenn aber eine Marke oder ein Produkt als Beiwerk mit auf dem Bild ist, ist es ok und wenn es zentraler drauf ist muss man sich ordentlich damit auseinandersetzen. Außerdem gilt: Immer schön die Quellen nennen. Aber das ist eigentlich eh klar.

Auf wen ich auch sehr gespannt war, waren Nora Imlau und Katia Saalfrank, die sich schon lange für eine gewaltfreie Kindheit und Erziehung einsetzen. Nachdem ich mich in den letzten Jahren zunehmend mit Bindungstheorie und Bedürfnisorientierung auseinandergesetzt habe, ein MUSS an diesem Tag. Ich habe hier zwar nichts Neues herausgefunden, aber es war toll, die beiden mal live zu sehen. Beide waren super sympathisch und total nahbar.

Katia Saalfrank erinnerte nochmal an die Wirkung von Gewalt (und hier reden wir auch von psychischer Gewalt, die schon beim Schreien oder Ausgrenzen oder Strafen oder Erpressen beginnt) auf Kinder bzw. das Gehirn. Die Menschen, die heute sagen „Ach, hat uns ja auch nichts geschadet“, haben selbst als Kinder Gewalt erfahren, diese verdrängt und sind heute kaum zu Empathie und Selbstmitgefühl fähig.

Nora Imlau rief zu BEziehung statt ERziehung unserer Kinder auf. Das ist nicht immer einfach und bislang gibt es noch zu wenige Menschen, die sich trauen, sich auch mal als verletzlich und unperfekt zu zeigen. Denn wir sind alle keine Über-Mütter und vermutlich niemand schafft es komplett ohne Wutanfall gegenüber den Kindern. Die Frage ist aber, wie man damit umgeht. Es ist eine Frage der inneren Haltung. In diesem Bereich braucht es noch viel mehr Vorbilder, die von ihrem Umgang mit den Hürden einer gewaltfreien Erziehung berichten und schließlich in den Dialog mit den eigenen Lesern treten.

Die Verleihung der Blogfamilia-Awards konnte ich leider nicht bis zum Schluss sehen, da die Geduld der Kinder nach diesem langen Tag dann auch einfach mal aufgebraucht war. Ganz herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle an

- Sassi von liniertkariert,
- Juramama Nina Straßner und
- Anne von x-mal anders sein.

Und vor allem ganz herzlichen Dank an eine phantastische Veranstaltung an das Blogfamilia-Team: Laura von Heute ist Musik, Lisa von Stadt Land Mama, Christian vom Familienbetrieb, Henrike von Nieselpriem, Janni, Thomas und Thomas von Ich bin dein Vater, Alu und Konsti von Große Köpfe und Jürgen von Filterkaffeeliebe

Und so fuhr ich am Abend beseelt und voller neuer Eindrücke zurück in unser Quartier und ließ die Familie entscheiden, was am zweiten Tag unserer Reise an Programm angesagt sein würde. Ich für meinen Teil war schon ganz und gar auf meine Kosten gekommen. Danke dafür!